Wenn auf die geschichtliche Entwicklung des Triathlons zurückgeblickt wird, sollte auf die Historie der Einzelsportarten eingegangen werden, denn diese sind historisch gesehen keinesfalls zu vernachlässigen.

Das Laufen begann schon in der Altsteinzeit (belegt durch Höhlenmalereien), wobei hier eher das Ziel der Essensbeschaffung im Vordergrund lag. Das Messen im sportlichen Wettlauf begann dann in der Antike im 7. Jh. v. Chr. bei Olympischen Spielen auf Kurzstrecken bis 1500 Meter. Später im Mittelalter war allerdings in unseren Breiten das sportliche Laufen wieder verpönt, da es sich für gläubige Christen nicht gehörte, sich in Wettkämpfen zu duellieren. Im 17. Jh. erlebte das Laufen eine Renaissance, und bis jetzt gilt es als populär, sich im Wettlaufen zu messen.

Die Geschichte des Schwimmens (Fortbewegen im Wasser) reicht wahrscheinlich über die gesamte Menschheitsgeschichte. Die Griechen bezeichneten es sogar als ungebildet, wenn jemand „weder lesen noch schwimmen“ konnte. Außerdem war es zu dieser Zeit als Training für Soldaten durchaus beliebt.

Von den Anfängen des Radfahrens gibt es auch keine Zeitzeugen mehr, da das erste Rad 1817 in Frankreich patentiert wurde – allerdings noch als „Laufmaschine“. Kurbeln und erste Rennen kamen 50 Jahre später in Mode. Die „Frühjahrsklassiker“ Lüttich–Bastogne–Lüttich und Paris-Roubaix, die wir heute noch gespannt verfolgen, entziehen sich mit ihren Gründungsjahren 1892 bzw. 1896 auch noch den Möglichkeiten, von Zeitzeugen nacherzählt zu werden.

Die Geschichte des Triathlons ist im Vergleich relativ jung:

In den 1920er Jahren gab es in Frankreich eine Handvoll Hobbybewerbe, die zum Radfahren und Laufen auch eine Flussüberquerung als Anforderung stellten. Dann benötigte der Sport allerdings ein halbes Jahrhundert, um in den 1970er Jahren in Amerika neu erfunden zu werden. Der erste Bewerb – der auch Triathlon genannt wurde – wurde 1974 ausgetragen. Mit 6 Meilen Laufen, 5 Meilen Radfahren und 500 Yards Schwimmen kann dieser Bewerb als extrem lauflastig bezeichnet werden. 1978 wurde dann der erste Ironman auf Hawaii mit 15 Startern ausgetragen.

Dass dieser Dreikampf zum Durchbruch in der medialen Präsenz und zur Popularität geführt hat, ist bis heute gut nachvollziehbar. Hier wurden Legenden gebildet. Zum Legendenstatus gehören Geschichten, Leid, Siege und Niederlagen. Leiden, das ist es, was die Zuschauer sehen wollen, wenn sie sich die Tour de France anschauen. Hier kam 1982 Julie Moss ins Spiel, die als Führende in Hawaii knapp vor der Ziellinie dehydriert kollabierte. Auf allen Vieren – live und in alle Welt übertragen – kroch sie noch als Zweite ins Ziel. 30 Jahre später bekommt sie dafür noch 120.000 Klicks auf Youtube. Sieg und Niederlage, das ist es, was die Zuschauer sehen wollen, wenn sie sich Paris-Roubaix anschauen. 1989 kam es beim Ironman Hawaii zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Seriensieger Scott und dem ewigen Verlierer Allen, und es wurde Geschichte geschrieben, als Allen den „Ironwar“ für sich entschied (heute noch 250.000 Klicks auf Youtube).

Eine Sportart braucht Legenden, und der Ironman schaffte diese.

Parallel dazu entwickelte sich auch die Kurzdistanz. Diese wurde durch die Aufnahme ins olympische Programm (1994 und somit bei Olympischen Spielen seit 2000) geprägt, wodurch Dichte und Leistungsentwicklung gesichert wurden. Um die acht Namen derer, die das Höchste in dieser Sportart erreicht haben, gebührend zu würdigen, an dieser Stelle die Erwähnung der bisherigen Olympiasieger:

  • 2000 Sydney: Simon Whitfield (CAN) / Brigitte McMahon (SUI)
  • 2004 Athen: Hamish Carter (NZL) / Kate Allen (AUT)
  • 2008 Peking: Jan Frodeno (GER) / Emma Snowsill (AUS)
  • 2012 London: Alistair Brownlee (GBR) / Nicola Spirig (SUI)

Und somit sind wir bei unserer Zeitreise im Jetzt angekommen und nun Teil dieser Geschichte. Immer schneller, immer mehr Starterinnen und Starter, neue Formate … Was kommt als Nächstes? In Rio wird die 30-Minuten-Marke im abschließenden 10-km-Lauf sicher deutlich unterschritten werden.

… wir freuen uns darauf!