Tristyria-Breitensport am Dach von Österreich
Acht gipfelhungrige, aufgeteilt in zwei Seilschaften, standen am Samstag 21.8.2010 ca 12:00uhr am 3798m hohen Großglockner. Begonnen hat das Abenteuer aber schon am Donnerstag zuvor und zwar mit dem einstündigen Aufstieg vom Lucknerhaus (Parkplatz, Kals) zur Lucknerhütte (2200m). Zwei Stunden nach Küchenschluß angekommen und trotzdem noch verköstigt worden, als ob es unsere letzte Mahlzeit sein sollte - ein herzlicher und freundlicher Empfang, wie man es sich nur wünschen kann.
Am nächsten Tag stand eine Eingehtour am Programm. Zum Einen, um uns an die Höhe und auch an das Gehen mit Steigeisen zu gewöhnen und zum Anderen, damit Basil und Stefan - mein Bruder und ein Freund von ihm, beide mit langjähriger Bergerfahrung , die für uns perfekt die Bergführer gemacht haben - sehen, was wir drauf haben, ob es mit uns bis zum Gipfel überhaupt machbar ist. Und natürlich zeigten wir uns von unserer besten Seite, die ein oder andere Gletscherspalte hat zwar versucht uns zu verschlingen, was uns den Weg erschwert hat, uns aber nicht abgehalten bis auf 3560m aufzusteigen. Zufrieden und müde machten wir uns an den Abstieg zur Stüdlhütte, die wir als Ausgangspunkt für den Gipfelversuch am Samstag benutzten. Wobei in diesem Fall die Beschreibung Hütte eher durch Hotel/Restaurant ersetzt werden sollte - Wahnsinn, welche Qualität und v.a. welche Menge in so exponierter Lage, mit dem Auto ist die Hütte ja nicht zu erreichen, geboten werden kann. So gings mit vollen Bäuchen und mit steigender Nervosität ins Lager, um zu versuchen, wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Wie man sich leicht vorstellen kann, super aber deftiges Essen, Elektrolytreiche Getränke und 16Personen in einem Lager, sind ein Garant für dicke Luft und hohen Geräuschpegel…
Samstag Morgen - los geht's! Klettergurt schon bei der Hütte anlegen und ab Richtung Gletscher, Anseilen, ran an die Eisgeräte und Aufstieg zur Adlersruhe (= Erzherzog-Johann-Hütte, 3500m), etwas längere Pause um uns nochmal alles zu Recht zu rücken, Essen und Trinken und in Ehrfurcht zu verstummen, vor dem imposanten Anblick der kommenden 400 Höhenmeter. Anfangs noch einfaches Gletschergehen, stellt sich der Hund beim Übergang zum Felsen ordentlich auf. Spätestens hier wird jedem bewusst, für was man Steigeisen, Pickel und Seil benötigt. Und wir lernen die eigentliche Gefahr eines so berühmten Berges kennen - die anderen Bergsteiger! Wirklich ein Wunder, dass da nicht mehr passiert. Die Einen haben die Steigeisen lieber im Rucksack, probieren dafür sich an Anderen anzuhalten, die Anderen lassen Ihre Kinder mit halbherziger Ausrüstung an den Berg ran und was sich weiter oben am Grat abspielt ist sowieso unbeschreiblich.
Nicht beirren lassen, auf Basil/Stefan hören und auf den bevorstehenden Meter konzentrieren. Der Grat ist zwar nur als schwieriges Gehgelände tituliert, aber dadurch, dass es beiderseits so an die 1000m bergab geht und wegen des hohen Verkehrsaufkommens, war es für uns Flachlandtouristen schon eine ordentliche Herausforderung.
3798m, der höchste Punkt Österreichs - wir haben es geschafft, und wir haben uns feiern lassen, zumindest innerlich. Ist schon ein unbeschreibliches Gefühl nach der Anstrengung gemeinsam dort oben zu stehen. Noch besser als das Belohnungsbierchen nach dem Abstieg zur Adlersruhe, obwohl… wir haben es uns auf jeden Fall schmecken lassen, haben es uns ja auch verdient. Am nächsten Tag hat leider die Höhenkrankheit bei Anna zugeschlagen, was ihr den Abstieg erheblich erschwert hat. Leider oder zum Glück, wie man es halt sieht, hilft da nur der Abstieg, aber sie hat sich tapfer durchgekämpft und im Endeffekt ist Alles gut gegangen.
Das Wetter hat bestens mitgespielt, bis auf ein paar Schrammen ist alles perfekt verlaufen, die Gruppe hat super harmoniert, die Bergführung war perfekt, das Essen super gut, kurzum ein unvergessliches Wochenende liegt hinter uns und wir sind mächtig stolz da oben gewesen zu sein.

